In der täglichen Beratungspraxis erleben wir immer wieder dasselbe Muster: Geschäftsführer sehen die Krise früh — handeln aber zu spät. Aus Sorge, aus Scham, aus Hoffnung. Dabei sind die ersten Wochen einer Krise die wertvollsten. Wer in dieser Phase die richtigen Entscheidungen trifft, kann eine Insolvenz häufig komplett vermeiden.
1. Die ehrliche Lagebeurteilung
Der wichtigste Schritt ist der unangenehmste: eine schonungslose Bestandsaufnahme. Wie hoch ist die tatsächliche Liquidität? Welche Verbindlichkeiten werden in den nächsten 90 Tagen fällig? Welche Erträge sind realistisch, nicht geplant?
Wir empfehlen, einen externen Sparringpartner hinzuzuziehen — nicht, um Schuld zuzuweisen, sondern um Betriebsblindheit zu durchbrechen. Drei Stunden mit einem erfahrenen Sanierungsberater bringen oft mehr Klarheit als drei Wochen interne Diskussion.
2. Liquiditätsplanung über 13 Wochen
Ein rollierender 13-Wochen-Liquiditätsplan ist Standard in der Sanierungsberatung — und sollte es in jedem Unternehmen ab 5 Mio. EUR Umsatz sein. Er zeigt taggenau, wann Engpässe drohen und wann Gegenmaßnahmen greifen müssen.
Wichtig: Der Plan muss wöchentlich aktualisiert und ehrlich gegen den Ist-Stand abgeglichen werden. Schönrechnerei rächt sich mit jedem Tag, an dem Maßnahmen ausbleiben.
3. Kostenpositionen analysieren
Nicht jede Krise ist eine Umsatz-Krise. Häufig sind die Kostenstrukturen das eigentliche Problem. Gehen Sie systematisch durch:
- Personalkosten: Wo sind die größten Hebel? Vorruhestand, Reduzierung, Kurzarbeit?
- Mieten und Leasing: Welche Verträge lassen sich neu verhandeln oder kündigen?
- IT- und Lizenzkosten: Welche Tools werden tatsächlich genutzt?
- Marketing- und Reisebudget: Hier liegen oft schnelle Einsparpotenziale.
4. Forderungen aktiv eintreiben
Offene Kundenforderungen sind häufig die schnellste verfügbare Liquidität. Setzen Sie ein striktes Mahnwesen auf: 7 Tage Zahlungsziel-Erinnerung, 14 Tage Mahnung, 21 Tage anwaltliche Mahnung, 30 Tage gerichtliches Mahnverfahren oder Inkasso.
Parallel: Sprechen Sie mit Großkunden direkt. Oft führt ein persönliches Telefonat zu einer schnelleren Zahlung als zehn Mahnschreiben.
5. Mit Banken sprechen — bevor sie fragen
Der häufigste Fehler in der Krise: Schweigen gegenüber der Bank. Aus Sorge, das Kreditverhältnis zu gefährden, halten Geschäftsführer Probleme zurück. Das Gegenteil ist richtig. Banken honorieren proaktive Kommunikation. Wer früh und transparent informiert, behält Verhandlungsmasse.
Sie spüren, dass Ihre Bank zunehmend nervös wird?
Wir bereiten Sie auf das Bankengespräch vor — und führen es bei Bedarf gemeinsam mit Ihnen. Kostenfreies Erstgespräch innerhalb von 48 Stunden.
Erstberatung anfragen6. Lieferantenkredite und Stundung
Auch Lieferanten haben ein Interesse daran, dass ihr Kunde zahlungsfähig bleibt. Stundungsvereinbarungen, Ratenzahlungen oder verlängerte Zahlungsziele sind verhandelbar — wenn Sie früh und transparent darauf zugehen.
7. Working Capital optimieren
Vorräte, Forderungen, Verbindlichkeiten — das Working Capital ist häufig die größte versteckte Liquiditätsquelle. Lagerbestände abbauen, Zahlungsziele optimieren, Skonto-Disziplin: Hier schlummern oft 5–15% des Jahresumsatzes in Form gebundener Liquidität.
8. StaRUG prüfen
Seit 2021 gibt es in Deutschland den Stabilisierungs- und Restrukturierungsrahmen (StaRUG) — ein vorinsolvenzliches Verfahren, mit dem Gläubigergruppen gegen den Willen einzelner Gläubiger zur Sanierung gezwungen werden können. StaRUG ist diskret, schnell und vermeidet das Stigma der Insolvenz.
9. Insolvenzantragspflicht im Blick
Bei Zahlungsunfähigkeit (§ 17 InsO) oder Überschuldung (§ 19 InsO) besteht für Geschäftsführer eine Antragspflicht binnen drei Wochen. Verspätete Anträge führen zu persönlicher Haftung — zivil- und strafrechtlich. Diese Frist muss strengstens beachtet werden.
10. Externe Beratung einholen
Der zehnte Schritt ist eigentlich der erste: Holen Sie sich frühzeitig professionelle Hilfe. Sanierungsberater, Restrukturierungsanwälte, Wirtschaftsprüfer mit Spezialisierung — das Honorar amortisiert sich in einer Krise um ein Vielfaches.
Bei Dr. Furch & Partner ist das Erstgespräch kostenfrei. Wir hören zu, ordnen ein, zeigen Optionen — ohne Verpflichtung, ohne Vorkasse, ohne Vorwand.
